Von der Sandsackrolltechnik!
Um 5:30 Uhr klingelte mein Wecker, wenig später brach ich auf um den Deich zu retten. Angekommen, wie immer war die Organisation nicht die Beste und es regnete und war verdammt kalt. Wir wanderten als riesige orange Karawane den Deich entlang um eine riesige, mit Sandsäcken befüllte, Schute zu entleeren und die Sandsäcke an der anderen Deichseite zu stapeln.Vorher gab es die Anweisung, bloss auf dem Deich stehen zu bleiben, sollte dieser brechen...tolle Aussichten. Es gab eine Menge Treibgut und es erinnerte mich an mein eigenes Dasein! Wir arbeiteten mit zwei anderen Einheiten an dieser Schute. Wir aber hatten eine ganz eigene, sehr schnelle Technik entwickelt. Anstatt die Sandsäcke von einem zum anderen zu geben, rollten wir sie, jeweils gegenüberstehend über unsere Unterarme und dass manchmal in einem echt atemberaubenden Tempo. Das hatte aber zur Folge, dass nie einer alleine das Gewicht tragen musste. Alle anderen bleiben bei ihrer alten Technik. Was herunterfällt darf man nicht aufeben, das kenn einem einen
Schlag an den Kopf versetzen, eine Lektion, die ich heute lernte. Nachdem die erste Schute erfolgreich abgeladen war, gab es Frühstück und danach zogen wir an eine andere Ortschaft. Wasser sickerte auf die Straße und die Kühe wateten im Matsch. Wir entleerten weiter fleißig rollend unsere Schuten, zwei an der Zahl. Ich spürte meinen Körper durch immer stärker werdende Schmerzen, aber das war völlig ok und vor allen Dingen mal nicht verwerflich.
Wir waren relativ früh fertig...es war wohl so um 17 Uhr und so begaben wir uns auf den lange herbeigesehnten Heimweg. Wie das aber immer so ist, nach langem organisatorischen Kram und Gelaber, wurde es doch wieder später. Aber wir saßen in unseren Autos und zogen blaues Licht durch die Landschaft...und die Sonne schien.
Dann ein Funkspruch, Planänderung. Ein Deich sickerte und wir fuhren in ein anderes Dorf um eine Andere Einheit zu untersützen den Rasen in einem Garten zu zertrampelt und Sandsäcke zu rollen. Aus den Maulwurfhügeln sprudelte das Wasser und ich fand dieses Schauspiel der Natur sehr beschaulich, wäre es nicht so ernst.
Die ersten Anzeichen von Sandsackfieber machten sich breit, als lustige Lieder gesungen wurden, während Sandsack um Sandsack meine schmerzenden Arme passierten. Gelacht haben wir...oh ja. Danach noch essen...
Und jetzt bin ich zu Hause, müde, zitternd, ängstlich, nach diesem langem Tag ohne Gedanken. Alle aufgestauten Gedanken des Tages wollen nun gedacht werden und ihre Beachtung bekommen. Mein Körper schmerzt und mein Gesicht brennt vom stetigen Sandpeeling wenn wieder ein Sack nicht geschlossen oder kaputt war.
Und ich weiß, ich sollte in Bett gehen...aber ich will nicht schlafen, auch wenn ich morgen wieder tausende Sandsäcke rollen werde. Ich will so nicht schlafen, nicht so, nein nicht jetzt.
Und wenn ich morgen beim Arbeiten auf dem Deich vor Erschöpfung umkippe und nicht mehr erwache? Wen würde es stören? Nicht mich! Mich nicht! Aber ich käme vermutlich in die Zeitung, dass will ich nicht. Denn es wäre nur Aufsehen aber kein Nachsehen.
Dennoch wäre es mal eine ganz neue Art des Freitodes!!!
...fragt mich nicht, ihr werdet keine Antworten bekommen...



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